«SEID KREATIV BEIM BEWERBEN» Worauf muss man bei der Suche nach geeigne- ten Lernenden achten? Und was braucht es, um sie bestmöglich auf die Arbeitswelt vorzuberei- ten? Arlette Scheidegger, Ausbildungsverant- wortliche im Hotel Continental Park in Luzern, berichtet von ihren Erfahrungen. b a w h c S l e i n a D d l i B a z z a i P x e l A t x e T Arlette Scheidegger, wie findet man heute die richti- gen Lernenden? Mit einem sorgfältigen Selektionsprozess. Letz- tes Jahr bekamen wir auf eine einzige Lehrstel- le als Hotel-Kommunikationsfachfrau über 150 Bewerbungen. Deshalb luden wir Sek-A-Schü- ler ab Note 5,0 zu unserem «Future Talent Day» ein. Hier mussten sie einen Event organisieren oder den Tisch fürs Mittagessen aufdecken. Zu- sätzlich führten wir ein kleines Vorstellungs- gespräch mit Sequenzen in Französisch und Englisch. Und sie durften von Hand einen Will- kommensbrief für einen prominenten Gast schreiben. Die geeignetsten Kandidaten luden wir zu einer fünftägigen Schnupperlehre ein, bei der wir auch auf deren Sozialkompetenz achte- ten, insbesondere die Teamfähigkeit. Wie wichtig ist Ihnen das Bewerbungsschreiben? Sehr wichtig. Da rate ich den Bewerbenden: Seid kreativ! Für begehrte Lehrstellen darf man ne- ben Lebenslauf, Motivationsschreiben und Zeug- nissen auch die Extrameile gehen, um aus der Menge herauszustechen. Zum Beispiel mit einer Bildcollage oder einem selbstgedrehten Video zu ihrer Person. Ich erinnere mich an eine Bewerbe- rin, die einen QR-Code aufs Dossier klebte, der zu ihrer mündlichen Vorstellung führte. Eine ande- re Bewerberin präsentierte sich in einem Video beim Guetzli-Backen und schickte uns die Unter- lagen inklusive gefüllter Guetzlibox zu. Welche Rolle spielen die Eltern? Sie sind die wichtigsten Beeinflusser der Jugend- lichen. Darum versuche ich sie von Beginn weg 48 BERUFSBILDUNG 2026 Arlette Scheidegger, Berufsbildungsverantwort- liche im Hotel Continental Park in Luzern, im Gespräch mit ihrer Lernenden Kamila. mit ins Boot zu nehmen. Jene Jugendlichen, die es in die engere Auswahl schaffen, laden wir mit ihren Eltern zu einem Vorstellungsgespräch ein. Ich frage dann einige Dinge nach. Zum Beispiel, wie sie zur Berufswahl ihres Kindes stehen, ob zu Hause ein ungestörter Lernplatz vorhanden ist und – ganz simpel – ob es noch etwas gibt, bei was wir ihr Kind unterstützen können. Zudem führen wir am Ende jedes Lehrjahres ein Stand- ortgespräch durch, wo wir mit den Eltern einen kurzen Rück- und Ausblick machen. Was ist mit jenen Kandidatinnen und Kandidaten, die nicht in Frage kommen? Wir sagen ihnen, warum es nicht gereicht hat. Und wir geben ihnen Tipps, wo sie noch an sich arbeiten können. Gelegentlich gibt es Lernende, die wir uns zwar in einer Lehre vorstellen kön- nen, die aber noch zu jung sind. In diesem Fall empfehlen wir beispielsweise einen Aufenthalt in der Westschweiz, ehe sie nochmal bei uns an- klopfen dürfen.